Was ist Gott? – Angebot einer Erklärung.

Gott ist ein mindestens zweiteiliges Gebilde, erfunden von uns Menschen.

Zum einen „verkörpert“ das Phänomen Gott eine Projektionsfläche für unsere Ängste, Sorgen und Wünsche, zum anderen beschreibt es unser Unverständnis über die Vorgänge um uns herum. Gott ist ein von Menschen erfundener Platzhalter für etwas, wofür wir keine andere Projektionsfläche haben oder was wir noch nicht verstehen. Der Rest ist Folklore.

Da Gott als Gedankengebilde, von uns Menschen erdacht, existiert, braucht niemand daran zu glauben, dass es Gott gibt. Man muss auch nicht daran glauben, dass es Autos oder Sehnsucht gibt. Die Existenz von irgendwas zu glauben, wenn man dessen Existenz weiß, ist naiv.

Atheismus wird definiert als Überzeugung, dass Gott nicht existiert – was man wiederum als einen Glauben bezeichnen könnte. Da das Phänomen Gott aber existiert, kann ich kein Atheist sein.

Agnostizismus wird definiert als (philosophische) Ansicht, dass vor allem die theologischen Annahmen zu Existenz oder Nichtexistenz einer höheren Instanz (z.B. eines Gottes) ungeklärt oder grundsätzlich nicht zu klären sind. Da das Phänomen Gott aber existiert, kann ich kein Agnostiker sein.

Laizismus steht für (religions-)verfassungsrechtliche Konstrukte, die eine strenge Trennung von Kirche und Staat vorsehen. Da ich das ebenso sehe, die Trennung von Kirche und Staat aber in Deutschland noch nicht wirklich vollzogen ist, könnte ich mich als Laizisten in einem säkularen Staat bezeichnen.

Freidenker sind Menschen, die im Sinne der Aufklärung für eine selbstverantwortliche Lebensgestaltung einstehen und jeden religiösen Glauben oder gar kirchliche Dogmen für sich ablehnen. Mein Lebensmotto „Ich bin, also denke ich“ entspricht wohl am ehesten diesem Ansatz. Also bezeichne ich mich als Freidenker (oder manchmal provokant als Selbstdenker), bis es einen besseren Begriff gibt, um Menschen zu beschreiben, die Verantwortung nicht auf Metawesen abschieben und wissbegierig alles hinterfragen und erforschen, während sie gleichzeitig bescheiden genug sind, zuzugeben, dass unser Intellekt und unser gesammeltes Wissen nicht ausreichen, alle Zusammenhänge der Welt wirklich und umfassend zu begreifen.

Da ich in eine Gesellschaft hineingeboren und als Kind von religiösen Menschen in einer weitestgehend religiösen Gesellschaft sozialisiert wurde, trage ich natürlich das mir vermittelte Gottesbild in all seinen Facetten in mir. Es bietet sich immer wieder als, wie Nietzsche sagte, „Lückenbüßer“ an, wenn ich mal mit meinen Ängsten, Sorgen und Wünschen nicht weiterweiß oder wenn ich mir Vorgänge um mich herum nicht erklären kann. Das ist das süße Gift der religiösen Erziehung. Es ist unendlich schwerer, die Ursachen seiner eigenen Ängste, Sorgen und Wünsche zu ergründen, als sich in die Obhut eines erdachten Wesens zu begeben. Es ist unendlich mühsamer, bisher unverständliche Vorgänge zu ergründen und zu erforschen, um zu verstehen, als unverständliche Vorgänge durch den Willen oder die Existenz eines erdachten Wesens zu „erklären“.

Mir hilft als Antidot, im ersten Falle auf meine Selbstheilungskräfte und meine eigene Energie zu setzen, Ängste zu überwinden, Sorgen zu entkräften und Wünsche zu erfüllen. Das Antidot im zweiten Falle ist für mich, „Gott“ durch „Zufall“ zu ersetzen, solange ich Vorgänge um mich herum aufgrund mangelnden Wissens und Verständnisses nicht erklären kann. Die Selbsterkenntnis und die Demut, als Mensch nicht über allen Dingen zu stehen und nicht alles verstehen zu können, weil unser Wissen, unser Intellekt und unsere Sinne begrenzt sind, sind ein wunderbares Antidot gegen das durch die Sozialisierung eingeimpfte süße Gift der Religion und des Glaubens.

Ich bin Selbstdenker.

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